Was ist ein Heckedotz?

von | 22.05.2026

Auf dem Brunnen am Marktplatz in Treis-Karden sitzt er – der schelmisch grinsende Heckedotz. Er thront auf dem nach ihm benannten Brunnen, stets in Oberhemd und kurzer Hose, auf einem Baumstamm sitzend, in die Waldarbeit vertieft. Er wird an Karneval von unserem Karnevalsverein lustig verkleidet, er ist Namensgeber für Treiser Stammtische und Sportteams, Wahrzeichen und Denkmal unseres schönen Moselörtchens, er erträgt Wind und Wetter und verliert trotzdem nie das verschmitzte Grinsen, das ihn zu dem macht, was er ist und was, im Herzen, eigentlich Wir alle sind: ein kleiner Heckedotz.

Aber warum heißt dieser Junge mit der Holzkeule, der da auf diesen Ast haut jetzt Heckedotz und was macht diese Bronzeskulptur als Denkmal bedeutend?

Am 11. November 1989 wurde das Werk des Koblenzer Bildhauers Fritz Berlin (1924-1997), der schelmisch grinsende Heckedotz, auf den zuvor am 30. April 1989 eingeweihten Brunnen am Marktplatz gesetzt. Die Basaltreliefs an jenem wurden von Gerhard Zenzen aus Ulmen nach Vorlagen von Heinrich Sausen (1925-2011), einem wichtigen Treiser Architekten, Bauzeichner und Stammgast im Gasthaus Gräf, gefertigt. Fritz Berlin schuf von Koblenz bis Lahnstein viele Skulpturen, in denen er seine Vorliebe, regionale Dialektfiguren als humorvolle Stein- und Bronze-Abbildungen von einfachen Leuten zu karikieren, verewigte und mit seiner Kunst maßgeblich die Stadtbilder in den Orten, in welchen sie sich befinden, prägte. Dabei hatte Fritz Berlin sich erst später in seinem Leben den bildenden Künsten verschrieben, denn im Ruhestand nach einer langen Amtszeit als Bürgermeister von Oberlahnstein widmete sich Berlin, der vor seiner politischen Karriere als Zolloberinspektor tätig war, seiner Leidenschaft, Skulpturen alter Stadtoriginale in der Koblenzer Altstadt, in Lahnstein und auch bei uns in Treis-Karden zu erschaffen. Verschmitzte Gesichter, eine lockere Haltung, historisch regionale Kleidung und Dialekt-Inschriften gehörten dabei zu wiederkehrenden Stilmitteln, die sich durch seine Werke zogen und ein warmes Gefühl von Heimat mit einem unbeschwert humorvollen Augenzwinkern vermitteln, wodurch sie wohl auch so imponieren, wie sie es tun, weil sie gewissermaßen identitätsgebend sind. Weil sie eine Geschichte erzählen, die in Vergessenheit geraten würde, wäre sie nicht am Ort des Geschehens in Bronze geschlagen.

Den Heckedotzbrunnen schmückt die Figur eines Jungen, der amüsiert auf einem Baumstamm sitzt und mit einen Holzschlägel die Lohe, das heißt die Rinde von einem jungen Eichenstamm oder einem dicken Ast schält. In den steilen Hecken und Waldhängen des Moseltals und der Nebentäler, besonders Dünnbach, Pflaumbach und Gräthbach betrieben viele Treiser damals Rodwirtschaft, da allein schon die Rinde der Bäume – besonders junger Eichen, früher extrem wertvoll war, weil sie viel Gerbsäure enthielt, die Gerber brauchten, um Leder herzustellen, was für so ziemlich alles gebraucht wurde: Schuhe, Gürtel, Taschen, Kleider, Sättel, Pferdegeschirr – praktisch hing die Welt an Leder so wie wir heute an Plastik. Darum gingen die Menschen damals im Frühjahr, ungefähr von Mai bis Juni in den Wald, da in dieser Zeit der Saft im Baum hochstieg. Dadurch ließ sich die Rinde leichter ablösen. Im Winter wäre sie hart wie Stein gewesen. Die Arbeiter gingen früh am Morgen in die Hecke und es wurde gemunkelt, dass es sicher auch dazu kam, dass die Frau mittags ein Kesselchen Mittagessen für ihren hart arbeitenden Mann in den Wald bringt und die beiden im Schutz der Hecke ein wenig Zweisamkeit genießen, woraufhin vielleicht ein kleiner Heckedotz geboren wurde, der bei der Waldarbeit hilft, denn darin liegt der zweite Grund, warum der Heckedotz einen Jungen darstellt, der die Lohe schält, denn obwohl es im Vergleich zu heute Knochenarbeit war, gehörte das bloße Entfernen der Rinde von den Baumstämmen zu den Aufgaben, die ein mittelloser Waldarbeiter, der die Arbeitskraft seiner ganzen Familie braucht, auch ruhig einem kleinen Kind zumuten kann, weshalb sich der Name Heckedetz für die schelmischen Kinder etablierte, die im Wald Lohe schälten und in der Zwischenzeit Streiche spielten.

Auf unserer Seite ist eine etwas modernere Version eines Heckedotz abgebildet. Er sieht etwas jünger und fröhlicher aus, trägt eine Kappe, aber das Werkzeug und der Baumstamm bleiben bestehen. Der Heckedotz arbeitet mit seiner Familie, genau wie Wir. Und der Heckedotz liebt Treis, genau wie wir